Audioequipment für den Einstieg ins Podcasting

Kennst du die Podcasts und Radiosendungen, in denen die Menschen so klingen, als würden sie dir ins Ort flüstern? So nah und lebendig, samtig weich und kristallklar? Man könnte sich zurücklehnen und stundenlang zuhören. Auf der anderen Seite hast du aber Erfahrungen mit Videokonferenzen gemacht, in denen Menschen blechern und dünn klingen. Schlimmer als am Telefon der Oma. Man wartet nur darauf, bis der Termin vorbei ist. Und in dieser schlechter Qualität gibt ja auch Podcasts. Da schaltet man sofort ab. Du denkst bestimmt: „Nicht alle arbeiten beim Radio, es ist alles eine Frage des Geldes und nicht jeder Mensch kann und will sich teures Equipment anschaffen“. Aber du würdest so gerne die Menschen mit deiner Stimme berühren, denn das gelingt dir ja leicht im persönlichen Gespräch. Ins Digitale übertragen verliert sich da einfach etwas.

Gibt es nicht denn doch einen Weg, wie man eine gute Audioaufnahme machen kann ohne ein Vermögen dafür auszugeben?

Als ich mit den ersten Aufnahmen angefangen habe, hatte ich keine Vorstellung davon, was ich kaufen soll und wofür welches Equipment gut ist. Ich habe unnötige oder falsche Werkzeuge gekauft, war oft frustriert und kurz davor Podcasting aufzugeben. Wenn ich in sozialen Medien nach Ratschlägen gefragt habe, wurden mir Mikrofone und Rekorder empfohlen, die mir ein halbes Monatsgehalt gekostet hätten. Da habe ich mich gefragt: Kann ich keinen Podcast starten, der gut kling und mich nicht finanziell ruiniert? Es war eine lange und kostspielige Reise der Erkenntnis, die ich dir gerne ersparen möchte.

Damit auch du fundierte Entscheidung treffen kannst und nicht unnötig viel Geld für Equipment ausgibst, informiere dich darüber, was eine Spielerei ist und was tatsächlich dazu beiträgt, dass deine Stimme in der Aufnahme gut klingt. Die wichtige Regel für alle Mikrofone und Setups:

Je geringer der Abstand zum Mikrofon, desto besser die Qualität der Aufnahme. Guter Abstand ist 5-10 cm.

In diesem Artikel zeige ich einige Setups, welche Vor- und Nachteile sie haben und wann die Investition in die nächste Stufe gerechtfertigt ist. Für alle Geräte gilt die Regel des Abstands: Nur bei geringem Abstand klingen die Mikrofone gut.

Stufe 1: Aufnahmen mit dem Smartphone

Als ich 2017 mit dem ersten Podcast angefangen habe, war ich zu 100% davon überzeugt, dass man mit einem Smartphone keinen Podcast aufnehmen kann. Der Klang eines Mikro-Mikrofons kann doch kaum gut klingen. Jahre später wurde ich eines Besseren belehrt. Natürlich auch weil die Hersteller immer bessere Technik in Smartphones verbaut habe. Und weil ich gelernt habe, dass bei richtiger Positionierung das Mikrofon des Smartphones wirklich gut klingen kann. Vor allem ist das Smartphone ein sehr guter Einstieg in die Übungen: Kleine Monologe aufnehmen, Texte vorlesen, frei sprechen. Mit zwei Smartphones kann man sogar wunderbar einen Dialog aufnehmen: Jede:r Teilnehmer:in hält das Smartphone vor eigenen Mund, danach werden beide Aufnahmen übereinandergelegt.

Der Vorteil des Smartphones: Man muss kein zusätzliches Geld ausgeben, um starten zu können. Man kann sich mit dem Podcast, der Planung und Inhalten beschäftigen und sich nicht um die Technik kümmern. In die Stufe 2 zu gehen bedeutet schon Geld in die Hand zu nehmen und auch Zeit in den Aufbau zu investieren.

Stufe 2: USB-Mikrofone

Der einfachste Einstieg mit dedizierten Geräten ist der Einsatz von USB-Mikrofonen. Sie sind einfach an einen PC bzw. Laptop anzuschließen, haben oft kaum Einstellungen, die man falsch einstellen kann. Die meisten Mikrofone sind „Plug&Play“: Einfach per Kabel anschließen und schon kann man aufnehmen. Nachteil: Aufnahmen mit mehr als einem Mikrofon sind nicht einfach umzusetzen (z.B. für Interviews). Ein Interface mit mehreren analogen Eingängen ist da flexibler, jedoch teurer.

Im Folgenden sind einige Mikrofone aufgeführt, die ich im Laufe der Zeit ausprobieren konnte. Die ersten drei Mikrofone liegen unter 100 € und reichen für den Einstieg vollkommen aus. Die anderen Geräte über 150 € liefern bessere Tonqualität, würde ich am Anfang nur dann kaufen, wenn ich langfristig Podcasts machen möchte. Die meisten Hörer:innen des Podcasts werden den Unterschied kaum bemerken. Außerdem: Sollte ich das Hobby schmeißen, kann ich die Mikrofone auch für Videokonferenzen nutzen, der Preis sollte dann auch weniger schmerzhaft sein.

Vor dem Kauf empfehle ich nach dem Mikrofonen bei YouTube zu suchen, es gibt gute Reviews mit Aufnahmebeispielen.

GerätPreisMeine Kommentare
Samson Q2U69,99 €Dynamisches Mikrofon mit USB- und XLR-Anschluss. Gut geeignet für Einsteiger.
Behringer Big Foot*89 €Neues Mikrofon auf dem Markt. Gute Qualität, hohe Position. Etwas umständlicher als mobiles Mikrofon.
Rode NT-USB Mini*96 €Gutes Kondensatormikrofon für Einsteiger. Benötigt unbedingt ein Stativ (z.B. K&M 232BK*) oder Mikrofonarm* für guten Klang.
Rode NT-USB*168 €Gutes Kondensatormikrofon nicht nur für Einsteiger. Tischstativ und Poppschutz im Lieferumfang.
Rode Podcaster*205 €Ziemlich weit verbreitetes Mikrofon unter Podcastenden. Ebenfalls ein dynamisches Mikrofon, mit gutem Klang für schlechte Räume. Benötigt ein Tischstativ oder Mikrofonarm*.
Shure MV-7*286 €Gutes dynamisches Mikrofon, vor allem für schlecht klingende Räume geeignet. Benötigt ein Tischstativ oder Mikrofonarm*. Hat einen analogen Ausgang für Anschluss an Interfaces.
Übersicht der USB-Mikrofone

Stufe 3: XLR-Mikrofone mit Audiointerfaces

Möchte man etwas flexibler mit dem Equipment sein und schon für die Zukunft die Möglichkeit offenhalten das Setup für mehrere Teilnehmer:innen auszubauen, dann greift man eher zu Mikrofonen mit XLR-Anschluss. Es handelt sich dabei um den analogen Anschluss, was bedeutet, dass man für die Verbindung zum PC/Tablet ein Audiointerface oder Mischpult benötigt. Oder wenn man mobil ohne Rechner aufnimmt, dann einen Audiorekorder mit XLR-Eingängen.

Die besten Erfahrungen in puncto Tonqualität und Umgang mit schlechten Räumen habe ich mit dynamischen Mikrofonen gemacht. Nebengeräusche, Raumhall etc. lassen sich mit diesem Typ der Mikrofone besser vermeiden. Allerdings klingen sie etwas dumpfer als die Kondensatormikrofone.

Auch bei den XLR-Mikrofonen gilt natürlich: Den Abstand zum Mund gering halten, um bestmögliche Tonqualität zu erhalten. Hier kommt zu dem Preis des Mikrofons noch das benötigte Audiointerface. Für den Einstieg empfehle ich das Sennheiser e835*, es liefert eine gute Tonqualität und verzeiht Räume, die für Aufnahmen nicht gut geeignet sind. Und auch Kinder, die im anderen Zimmer spielen 😀.

GerätPreis bei ThomannMeine Kommentare
Sennheiser e835*87 €Gutes dynamisches Gesangsmikrofon, welches auch gut für Podcasts genutzt werden kann. Braucht ein Tischstativ oder Mirkofonarm. Braucht einen Poppschutz. Review hier.
Audio Technica AT2020*89 €Gutes Kondensatormikrofon. Braucht einen Poppschutz. Sehr empfindlich für schlechte Räume.
Rode PodMic*112 €Gutes dynamisches Mikrofon. Wurde für Podcaster:innen konzipiert. Eingebauter Poppschutz. Review hier.
Rode NT1*259 €Sehr gutes Kondensatormikrofon, wird mit notwendigem Zubehör geliefert. Empfindlich für schlechte Räume.
Shure SM7B*398 €Ein teures dynamisches Mikrofon, welches eine sehr gute Tonqualität liefert, jedoch für den Einstieg nur dann passt, wenn das Geld keine Rolle spielt. Benötigt einen Zwischenverstärker*.
Übersicht der XLR-Mikrofone

Die XLR-Mikrofone lassen sich nicht direkt an einen PC anschließen, sie benötigen ein USB-Audiointerface. Einige solche Geräte führe ich hier auf. Es gibt viel mehr Interfaces auf dem Markt, nur diese habe ich schon im Einsatz gehabt.

GerätPreis bei ThomannMeine Kommentare
Focusrite Scarlett Solo*99 €Gutes Interfaces mit einem Eingang. Interviews lassen sich damit nicht aufnehmen.
Focusrite Scarlett 2i2*139 €Wie das erste Interface nur mit zwei Eingängen.
MOTU M2*199 €Klingt besser als Focusrite, weniger Rauschen. Höhere Lautstärke mit dynamischen Mikrofonen.
Übersicht der Interfaces

Was würde ich denn als Einsteiger kaufen müssen? Hier aufgeführt als Set:

GerätPreis bei ThomannMeine Kommentare
Focusrite Scarlett 2i2* mit Sennheiser e835*. Dazu XLR-Kabel* (1m)237,20 €Interface mit zwei Eingängen. Dazu ein Mikrofon und ein zweites kann man später dazu kaufen.
MOTU M2* mit Sennheiser e835*. Dazu XLR-Kabel* (1m)297,20 €Klingt besser als Focusrite, weniger Rauschen. Höhere Lautstärke.
Übersicht der Sets

Stufe 4: XLR-Mikrofone mit Audiorekordern

Audiorekorder haben neben den XLR-Eingängen für Mikrofone auch oft eigene eingebaute Mikrofonkapseln, was eine mobile Aufnahme extrem einfach macht. Wie auch die Audiointerfaces bieten die gängigen Audiorekorder neben der Aufnahmefunktion auf die SD-Karte auch die Möglichkeit als Audiointerface genutzt zu werden. Wenn man also stationäre und mobile Aufnahmen plant, ist man mit dem Rekorder auf lange Sicht besser bedient. Hier braucht man ebenfalls ein XLR-Kabel für den Anschluss.

GerätPreis bei ThomannMeine Kommentare
Zoom H5*235 €Eingebautes Mikrofon und zwei XLR-Eingänge.
Zoom H6*359 €Eingebautes Mikrofon und vier XLR-Eingänge
Übersicht der Rekorder

Fazit

Es ist nicht einfach. Im Grunde schnellen die Preise nach oben, wenn man zu etwas professionellerem Equipment greift. Wenn ich mir unsicher bin, ob Podcasting etwas für mich ist, dann würde ich zum USB-Mikrofon greifen. Später kann ich es als Backup nutzen oder über Kleinanzeigen verkaufen. Möchte ich doch ernsthaft Podcasts machen, dann empfehle ich die Nutzung von Audiointerfaces oder Rekorder mit XLR-Mikrofonen. Denn dort kann ich die Teile des Systems nach und nach „upgraden“ und auf mehrere Teilnehmer:innen erweitern.

Backup: Für Bastler:innen

Wenn man sich mit der Technik auskennt oder diese erlernen will, kann auch etwas Geld sparen. Zum einen gibt es ein sehr günstiges Headset, welches eine gute Tonqualität liefert, jedoch etwas Nachbesserung bedarf. Eine Anleitung findet man im Sendegate: Profi-Klang für alle! Das HMC660 Headset richtig einsetzen – für unter 100 €. Man kann auch in die Gaming-Szene gucken und dort ein Mikrofon finden, welches ebenfalls für wenig Geld viel Tonqualität liefet: Headsets für Podcasting und Videokonferenzen – Corona Edition

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